Trio "Tzigan" begeistert im Thaddäus
Ungarische Gypsymusik trifft Tango und Jazz: „Tzigan“ nimmt das Publikum in Kaisheim mit auf eine Klangreise von Budapest bis Buenos Aires.
Donauwörther Zeitung Nr. 159 vom 14. Juni 2026 Von Elke Böcker
Das Gipsy Tango Trio "Tzigan" begeisterte im Thaddäus in Kaisheim die Gäste mit virtuosen Klängen und Romani Gesang. Foto: Elke Böcker
Kaisheim Eine Reise in Zukunft und Vergangenheit, einen wilden Ritt durch Raum und Zeit - von Osteuropa über Transsibirien bis hin nach Argentinien - erlebten die begeisterten Gäste der Kleinkunst Brauerei Thaddäus in Kaisheim. Zum wiederholten Mal entführte das ungewöhnliche Trio „Tzigan“ in eine ganz besondere Klangwelt: Ungarische Romamusik traf auf argentinischen Tango, Budapest und Buenos Aires begegneten sich in „Arrabales de Budapest“.
Aleandro Montero (Gitarre, Gesang), David Macchione (Violine, Gesang) und - erst seit sechs Monaten dabei - Astor Cuqueo (Bandoneon) scheinen überall zuhause zu sein und doch aus einer ganz eigenen Welt zu kommen. Gefühlvolle Gypsymelodien, rhythmische Tangoklänge und schräge Jazztöne vereinen sie mit unglaublicher Virtuosität zu neuen, hinreißenden Arrangements. Die hingerissenen Konzertgäste waren vor keiner Überraschung sicher.
Da wurde aus David Macchiones präzisest beherrschter Geige ein Schlag und Zupfinstrument, eine abgerissene Seite ergab ein neues Klangwerkzeug. Da eroberten klagende, flirrende und herzzerreißende Töne die Sommernacht. Vitalität, Leichtigkeit, ein wenig Melancholie, große Ernsthaftigkeit, emotionaler
Facettenreichtum und eine schier unglaubliche Klangfülle ließ das Publikum kaum zu Atem kommen. Instrumentals und Gesang in Romani woben eine farbenprächtige Soundwelt. Mit einer Hommage an einen alten Geiger, der immer weiter spielt oder mit „Adios Nonino“ ließen die Musiker Gefühle wie Heimweh, Sehnsucht und Nostalgie spürbar werden. Mit Astor Piazzolos „Libertango“ gaben sie der Tango-Leidenschaft Ausdruck und in „De Locuras, Juegos Y Amores“ erzählten sie von Liebe und Verrücktheit.
Auch der spektakulären Transsibirische Eisenbahn widmete die Band ein wunderbares Lied. In „Transiberiano“ wurde die traumbesetzte Zugreise so, wie sie sein sollte: Mit wunderbarer Landschaft, mit Wölfen und ohne nervigen Schaffner oder Mitreisenden mit Schaf unterm Arm, erklärte Alejandro Montero schmunzelnd.
Überzeugend loteten die drei Künstler gemeinsam die Grenzen der musikalischen Stile wie auch die epischen Randgebiete von Leben, Liebe und Traum aus. Allabendlich möchte man sich an dieser verrückten, ausdrucksstarken Musik erfreuen, doch die Tournee der drei Künstler ging leider unmittelbar weiter. Man darf auf eine Wiederholung hoffen. Doch vorher gibt in Kaisheim am 30. Juli noch „Die BeaTels“ und am 1. August geht es mit beim traditionellen Hoffest mit
Stefan Stegmüller und Bulletproof in die Sommerpause.
Die höhere Kunst des Blödelns
Friedemann Weise mit einem absurd-witzigen Blick auf Alltagsprobleme im Kaisheimer Thaddäus:
Wohnungsnot, Fachkräftemangel und Alltagskuriositäten stehen im Mittelpunkt des Programms.
Donauwörther Zeitung Nr. 102 vom 05. Mai 2026 Von Tobias Böcker

Grandioser Humor in Kaisheim: der Kabarettist Friedemann Weise. Foto: Tobias Böcker
Kaisheim Was uns so alles bewegt: Fachkräftemangel, Wohnungsnot, die gute alte Zeit oder die Frage, was der Bäcker zum Frühstück isst. Friedemann Weise weiß, was er dazu singen und sagen will. Ob allein auf der Bühne oder im virtuellen Zwiegespräch mit seinem Mini-Klon Friedemännchen. Der übrigens gilt aufgrund seiner unter zehn Zentimeter messenden Körpergröße als Nager und darf in einer Kiste gehalten werden.
Ein Kabarettist in der Tradition des höheren Blödsinns, irgendwo auf der langen Linie von Heinz Erhardt, Otto Waalkes oder anderen Großen des intelligenten Blödelns, dabei gar nicht so harmlos, wie er vielleicht erscheint. Wie er so beiläufig von einem Freund erzählt, der in Berlin eine Wohnung sucht, nur was kleines für seine studierende Tochter, so 60 bis 80 Quadratmeter. Aber der meint eben, in Berlin kannst du die Mieten nicht mehr zahlen, er hat die Wohnung dann kaufen müssen. Und bis er die allein erziehende Mutter da rausgeklagt hatte, waren noch mal drei Wochen rum, unglaublich, das zahlt einem ja keiner. Und ja, da bleibt nur eine Lösung: Einfach bei Ikea einziehen, nicht mehr wohnen, sondern leben. Gute Idee, vor allem, wenn man bedenkt, was sich alles auf Ikea reimt: Millionea, schön lea, und es kommen alle hea.
Gegen den Fachkräftemangel gibt es leider kein so probates Mittel, nicht gegen den Menschen an sich, und auch Friedemännchen aus der Kiste, immer mal wieder zugeschaltet, weiß keinen Rat, nicht mal der liebe Gott am Telefon.
Richtig und im Sinne regionaler wie saisonaler Ernährung zielführend dagegen statt des Edelmörsers aus italienischem Marmor der Mörser-Sharing-Ring mit 24 anderen Haushalten, vor allem, wenn der Mörser unter dem Straßenbelag ja unmittelbar zur Verfügung steht und kein Stein dafür sterben muss, das zu Mörsernde zu mörsern. Das ist dann ganz einfach netter, absurder Blödsinn, durchaus am Zeitgeist, treffend, aber ohne erhobenen Zeigefinger.
Apropos: Wer Kinder hat, weiß mehr vom Leben. Respekt oder Mitleid der Nachgeborenen kann man sich erwerben mit der Information, dass man das erste Smartphone erst mit 38 bekommen habe, Entsetzen wecken mit der Erinnerung an Autos ohne Einparkhilfe oder Radfahren ohne Helm. Kein Platz für Nostalgie also, obwohl: Auch für die kommende Generation gilt – übrigens mit Chip im Kopf statt Smartphone: Auch ihr werdet was finden, was ihr gut gefunden haben werdet.
Also und: Was isst denn nun der Bäcker zum Frühstück? Ganz einfach: Brot vom Vortag, samt schmatzendem Brotsolo, aber nur, wenn es nicht aus der langsamsten Pizzeria der Welt kommt.