Presseberichte

Stefan Waghubinger führt Kaisheim in die absurden Untiefen des Alltags

Stefan Waghubinger begeistert in Kaisheim mit „Versunkene Sätze“: Aus Alltagsbeobachtungen baut er oft seine irren, philosophischen und pointierten Geschichten.

Donauwörther Zeitung Nr. 224 vom 29. September 2026             Von Tobias BöckerStefan Waghubinger zeigte im Thaddäus alle Stärken des österreichischen Kabaretts.       Foto: Tobias Böcker

Mit nur vordergründig leichtem Plaudern über Alltägliches nahm Stefan Waghubinger sein Publikum in Kaisheim mit in die Untiefen seiner philosophischen Betrachtungen über den Unsinn des Lebens. »Versunkene Sätze«, Erzählungen aus Kindheit und Gegenwart, vom selbstgestrickt kratzenden Pullover à la Käptn Kirk - »Du träumst von den unendlichen Weiten des Universums und steckst in einer zu kleinen Strickjacke« - bis zum vergessenen Geburtstag der besseren Hälfte umrahmten die zuweilen bizarren Gedankengänge und skurrilen Verbesserungsvorschläge eines, der langsam ungemütlich zu werden droht, je mehr die Zeit vergeht. »Ich kann mich noch gut an Zeiten erinnern, als das Jahr 2000 noch ferne Zukunft war. Und dann rast die Zeit; auf einmal hast du mehr Zukunft hinter dir als vor dir.«

Wie sinnvoll ist es, wenn ein Fünfjähriger ein Rennrad mit 21 Gängen bekommt, dazu aber noch Stützräder braucht? Könnte der Meeresspiegel vielleicht abgesenkt werden, wenn man alle Blauwale aus dem Wasser fischt? Und ist der Hamster als Ersatz fürs Meerschweinchen aufgrund seiner geringeren Verbrauchswerte nicht eine durchaus geeignete Energiesparmaßnahme? Früher war es eh einfacher, dem Klimawandel Herr zu werden: »Iss deinen Teller auf, sonst wird das Wetter schlecht.« Die Nahtod-Erfahrung beim Zahnarzt, der Beinahe-Lottogewinn - vier Falsche und Zusatzzahl -, die aufgeschobene Steuererklärung, Rollkoffer für Barbie und Ken, all das zeigt doch nur die Absurdität eines Alltags, in dem auch der Glaube keinen Halt mehr gibt, wenn er ihn denn je gegeben hat.

Da arbeitet sich Waghubinger recht ausgiebig an seiner katholischen Sozialisation ab, schließlich habe er sogar mal Theologie studiert, erfolglos allerdings, obwohl doch der Verlust des Glaubens nun wirklich kein Grund sei aus der Kirche auszutreten, wenn die Wunder, die Dreieinigkeit und all das eh »nur für die Leut’« sind, wie zumindest die Oberin eines aufgelassenen Klosters meine. Ratlos stehen wir vor der Realität.

Das Schwanzwedeln des Hundes und die Relativitätstheorie

Was also das Schwanzwedeln eines Hundes mit der Relativitätstheorie zu tun hat, was die treuen Augen einer Kuh mit Hühnereiern, was Höhlenmalerei mit Eichhörnchen, das kann nicht einmal der nervende Schwätzer im Zugabteil erfassen, der nichts versteht, aber alles erklären kann. Am Ende des Tages wird man eben immer ein Haar in der Suppe finden, wenn man danach sucht. Warum? Weil es drin ist!


Trio "Tzigan" begeistert im Thaddäus

Ungarische Gypsymusik trifft Tango und Jazz: „Tzigan“ nimmt das  Publikum in Kaisheim mit auf eine Klangreise von Budapest bis Buenos Aires.

Donauwörther Zeitung Nr. 159 vom 14. Juni 2026             Von Elke BöckerDas Gipsy Tango Trio "Tzigan" begeisterte im Thaddäus in Kaisheim die Gäste mit virtuosen Klängen und Romani Gesang.      Foto: Elke Böcker

Kaisheim  Eine Reise in Zukunft und Vergangenheit, einen wilden Ritt durch Raum und Zeit - von Osteuropa über Transsibirien bis hin nach Argentinien - erlebten die begeisterten Gäste der Kleinkunst Brauerei Thaddäus in Kaisheim. Zum wiederholten Mal entführte das ungewöhnliche Trio „Tzigan“ in eine ganz besondere Klangwelt: Ungarische Romamusik traf auf argentinischen Tango, Budapest und Buenos Aires begegneten sich in „Arrabales de Budapest“.

     Aleandro Montero (Gitarre, Gesang), David Macchione (Violine, Gesang) und - erst seit sechs Monaten dabei - Astor Cuqueo (Bandoneon) scheinen überall zuhause zu sein und doch aus einer ganz eigenen Welt zu kommen. Gefühlvolle Gypsymelodien, rhythmische Tangoklänge und schräge Jazztöne vereinen sie mit unglaublicher Virtuosität zu neuen, hinreißenden Arrangements. Die hingerissenen Konzertgäste waren vor keiner Überraschung sicher.

     Da wurde aus David Macchiones präzisest beherrschter Geige ein Schlag und Zupfinstrument, eine abgerissene Seite ergab ein neues Klangwerkzeug. Da eroberten klagende, flirrende und herzzerreißende Töne die Sommernacht. Vitalität, Leichtigkeit, ein wenig Melancholie, große Ernsthaftigkeit, emotionaler Facettenreichtum und eine schier unglaubliche Klangfülle ließ das Publikum kaum zu Atem kommen. Instrumentals und Gesang in Romani woben eine farbenprächtige Soundwelt. Mit einer Hommage an einen alten Geiger, der immer weiter spielt oder mit „Adios Nonino“ ließen die Musiker Gefühle wie Heimweh, Sehnsucht und Nostalgie spürbar werden. Mit Astor Piazzolos „Libertango“ gaben sie der Tango-Leidenschaft Ausdruck und in „De Locuras, Juegos Y Amores“ erzählten sie von Liebe und Verrücktheit.

     Auch der spektakulären Transsibirische Eisenbahn widmete die Band ein wunderbares Lied. In „Transiberiano“ wurde die traumbesetzte Zugreise so, wie sie sein sollte: Mit wunderbarer Landschaft, mit Wölfen und ohne nervigen Schaffner oder Mitreisenden mit Schaf unterm Arm, erklärte Alejandro Montero schmunzelnd.

     Überzeugend loteten die drei Künstler gemeinsam die Grenzen der musikalischen Stile wie auch die epischen Randgebiete von Leben, Liebe und Traum aus. Allabendlich möchte man sich an dieser verrückten, ausdrucksstarken Musik erfreuen, doch die Tournee der drei Künstler ging leider unmittelbar weiter. Man darf auf eine Wiederholung hoffen. Doch vorher gibt in Kaisheim am 30. Juli noch „Die BeaTels“ und am 1. August geht es mit beim traditionellen Hoffest mit  Stefan Stegmüller und Bulletproof in die Sommerpause.


Die höhere Kunst des Blödelns

 Friedemann Weise mit einem absurd-witzigen Blick auf Alltagsprobleme im Kaisheimer Thaddäus:
 Wohnungsnot, Fachkräftemangel und Alltagskuriositäten stehen im Mittelpunkt des Programms. 

Donauwörther Zeitung Nr. 102 vom 05. Mai 2026             Von Tobias Böcker

Grandioser Humor in Kaisheim: der Kabarettist Friedemann Weise.              Foto: Tobias Böcker

Kaisheim   Was uns so alles bewegt: Fachkräftemangel, Wohnungsnot, die gute alte Zeit oder die Frage, was der Bäcker zum Frühstück isst. Friedemann Weise weiß, was er dazu singen und sagen will. Ob allein auf der Bühne oder im virtuellen Zwiegespräch mit seinem Mini-Klon Friedemännchen. Der übrigens gilt aufgrund seiner unter zehn Zentimeter messenden Körpergröße als Nager und darf in einer Kiste gehalten werden.
Ein Kabarettist in der Tradition des höheren Blödsinns, irgendwo auf der langen Linie von Heinz Erhardt, Otto Waalkes oder anderen Großen des intelligenten Blödelns, dabei gar nicht so harmlos, wie er vielleicht erscheint. Wie er so beiläufig von einem Freund erzählt, der in Berlin eine Wohnung sucht, nur was kleines für seine studierende Tochter, so 60 bis 80 Quadratmeter. Aber der meint eben, in Berlin kannst du die Mieten nicht mehr zahlen, er hat die Wohnung dann kaufen müssen. Und bis er die allein erziehende Mutter da rausgeklagt hatte, waren noch mal drei Wochen rum, unglaublich, das zahlt einem ja keiner. Und ja, da bleibt nur eine Lösung: Einfach bei Ikea einziehen, nicht mehr wohnen, sondern leben. Gute Idee, vor allem, wenn man bedenkt, was sich alles auf Ikea reimt: Millionea, schön lea, und es kommen alle hea. 
Gegen den Fachkräftemangel gibt es leider kein so probates Mittel, nicht gegen den Menschen an sich, und auch Friedemännchen aus der Kiste, immer mal wieder zugeschaltet, weiß keinen Rat, nicht mal der liebe Gott am Telefon. 
Richtig und im Sinne regionaler wie saisonaler Ernährung zielführend dagegen statt des Edelmörsers aus italienischem Marmor der Mörser-Sharing-Ring mit 24 anderen Haushalten, vor allem, wenn der Mörser unter dem Straßenbelag ja unmittelbar zur Verfügung steht und kein Stein dafür sterben muss, das zu Mörsernde zu mörsern. Das ist dann ganz einfach netter, absurder Blödsinn, durchaus am Zeitgeist, treffend, aber ohne erhobenen Zeigefinger. 
Apropos: Wer Kinder hat, weiß mehr vom Leben. Respekt oder Mitleid der Nachgeborenen kann man sich erwerben mit der Information, dass man das erste Smartphone erst mit 38 bekommen habe, Entsetzen wecken mit der Erinnerung an Autos ohne Einparkhilfe oder Radfahren ohne Helm. Kein Platz für Nostalgie also, obwohl: Auch für die kommende Generation gilt – übrigens mit Chip im Kopf statt Smartphone: Auch ihr werdet was finden, was ihr gut gefunden haben werdet.
Also und: Was isst denn nun der Bäcker zum Frühstück? Ganz einfach: Brot vom Vortag, samt schmatzendem Brotsolo, aber nur, wenn es nicht aus der langsamsten Pizzeria der Welt kommt.