Presseberichte


Klischee oder gelungene Pointen? Kabarettist Stephan Bauer im Thaddäus

Ein gutes Programm über den Dauerbrenner "kein Sex in der Ehe" auf die Bühne zu bringen ist hohe Kunst. Stephan Bauer in Kaisheim gelingt es.

Donauwörther Zeitung Nr. 269 vom 22. November 2022                * Von Helmut Bissinger *   Pointenreich: der Kabarettist Stephan Bauer im Thaddäus in Kaisheim.       Foto: Helmut Bissinger

Mit dieser Unruhe wird es für Stephan Bauer in der Tat schwierig, eine Affäre zu finden. Ständig geht der Kabarettist auf der kleinen Bühne des Thaddäus in Kaisheim hin und her. Mitleidsbekundung aus dem Publikum darf er sich sicher sein, wenn er von Problemen mit seiner Ehefrau erzählt. Dass er dabei gerne Vorurteile und Klischees bedient, sei ihm oft von Pressekritikern bescheinigt worden, meint er – und bestätigt dies auch in vielen Passagen. Doch sein Programm funktioniert trotzdem.

Bauer kennt kein Pardon und feuert seine Witze am laufenden Band in den prallvoll gefüllten Saal. Mikrofon, eine abgewetzte Hose mit lässigem Jackett, dazu ein Barhocker und zwei Stunden Pointen Schlag auf Schlag. Der Kabarettist serviert seine Erkenntnisse zum Eheleben (und dem Sexualleben) eines gut 50-Jährigen erheiternd. Der Meister hält sich und seinem Publikum einen Spiegel vor.

Kabarettist Stephan Bauer im Thaddäus: Nach vielen Jahren Ehe ist sein Sexleben perspektivlos

„Ohne meine Frau wäre ich echt glücklich verheiratet“, meint Bauer und sinniert darüber, wie er nach vielen Jahren Ehe sexuell perspektivlos dahin darbt. Er hole sich gerne, wie in einem Ratgeber-Buch empfohlen, Appetit auswärts, aber dann verhungere er zu Hause. Mit einer Affäre wiederum wäre er wohl völlig überfordert. Und die Avancen an seine Ehefrau verpuffen, wenngleich sie sich gefreut habe, als er ihr einmal in der Küche gesagt habe, er liebe diese Haut, weil sie so gut rieche. Dabei habe er eigentlich das Hähnchen im Backofen gemeint...

Dass der exzellente Wortwitz regelmäßig auch ein Körnchen echtes Leben enthält, kann sich der Zuhörer vorstellen. Natürlich ist die Behauptung Bauers „Ehepaare kommen in den Himmel – in der Hölle waren sie schon“ maßlos übertrieben. Aber ein Stück weit aus dem Leben gegriffen erscheint einem dann vieles doch, wie die Reaktionen des begeisterten Publikums zeigen.

Corona sei ein weiterer Todesstoß für sein Sexualleben gewesen, stellte der Kabarettist fest, denn während des Lockdowns habe man als Ehepaar viele Alltagsprobleme zu lösen gehabt: Wer hamstert? Und wer wirft die zu viel gekauften Lebensmittel weg? Bauer gestand, er sei mit 51 (seine Altersangabe wechselte er ständig) wohl nicht mehr der Attraktivste, aber er gehe regelmäßig zur Erektions-Früherkennung. Wie haben sich doch die Zeiten geändert. „Früher hatten wir keinen Sex vor der Ehe, heute keinen Sex in der Ehe. Wie kommen wir zu mehr Zweisamkeit? Brauche ich für moderne Sexpraktiken einen Helm?“

Frauen haben ein Schutzbedürfnis, die Männer sind Weicheier

Als einen Grund dafür, dass bei vielen Ehepaaren der Sex verloren geht, analysierte der Künstler, dass bei uns die Geschlechterrollen nicht mehr wahrgenommen werden. „Frauen vermissen an den modernen Männern die typisch männlichen Attribute wie Stehvermögen und Durchsetzungsfähigkeit. Frauen haben ein Schutzbedürfnis, aber die Männer sind Weicheier.“ Dass Frauen heute bei aller Gleichheit und Genderness die Männlichkeit ihres Partners vermissen würden, das kann auch aufs Glatteis führen: „Veni, vidi, violini – er kam, sag und vergeigte...“

Bauer gibt seinem Publikum Ehe-Tipps mit auf den Weg. Respekt und Wertschätzung seien wichtig für das Miteinander. „In der Ehe heißt das: Nähe durch Kuscheln. Dass Pupsen Nähe schafft, ist allerdings eine sehr gewagte Bauersche These“. Aber solche Scherze gehören zu seinem Programm – der Saal lacht ohne Atempausen, Ziel erreicht! Ganz der „große Bauer“ eben.


Beißende Satire über Putin & Co. im Thaddäus in Kaisheim

Der deutsch-russische Comedian Nikita Miller sinniert über den Kreml, 
erzählt Geschichten aus dem Leben und begeistert, ohne sich von Pointe zu Pointe zu hangeln.

Donauwörther Zeitung Nr. 256 vom 07. November 2022               * Von Helmut Bissinger *

Nikita Miller passt in kein Klischee. Im Kaisheimer Thaddäus nutzte er das Kopfkino des Publikums.            Foto: Helmut Bissinger 

Kaisheim       Wie der Machthaber im Kreml in Moskau tickt, kann sich der gebürtige Russe Nikita Miller nicht erklären. Wie die Menschen in Russland fühlen, denken und handeln, weiß er aber. Der Kabaret­tist spricht viel über seine Familie und dann auch noch darüber, dass er so kleine Orte wie Kaisheim ken­ne, sei er doch Anfang der 90-er mit seinen Eltern in ein 600-Seelen-Dorf im Schwabenland gekom­men. Mehr Besucher hätte der Comedy-Abend im Thaddäus ver­dient gehabt, meint Wirt Jürgen Panitz, „denn Miller ist wirklich ein Knaller“.
     Auf der Kaisheimer Kleinkunst­bühne haben sich schon Hundert­schaften von Kabarettisten ein Stelldichein gegeben. Doch Nikita Miller passt in kein Klischee. Er ist kein Stand-up-Comedian, sitzt während der Performance lieber. Der Deutsch-Russe hat schon zahl­reiche Comedy-Preise abgeräumt. Sein Lebenslauf ist beachtlich: Er hat Philosophie und Rhetorik stu­diert, in einer IT-Firma gearbeitet, Kaninchenställe geputzt, war Tür­steher in zwielichtigen Bars und hat Schmuck verkauft - aus dem Kofferraum eines Autos.
     Nun verkauft er sich. Er quatscht über die Geschichten sei­ner russischen Clique Viktor, Oleg und Vadim, er erzählt über den Umgang seines Vaters mit seiner Mutter und hat natürlich auch  Pu­tin im Repertoire. Eine Frau habe ihn unlängst gefragt, was der Kreml-Chef für ein Mensch sei. Millers Antwort: „Der ist bald hier, dann kannst Du ihn selber fragen.“ Wenn Putin so weitermache, sei es nur eine Frage der Zeit, bis er den Friedensnobelpreis bekommt, meine sein Vater.  Zumindest habe Obama ihn so bekommen. Man er­fährt, wie man eine unbekannte,  hübsche Frau im Fahrstuhl an­sprechen kann, wie er es sieht, dass in der Ukraine ein Comedian und zwei Boxer gegen die Übermacht Russland kämpfen und über einen einsamen Bekannten, 
der gerne mit Nudelsalat spazieren gehe, „damit die Leute denken, er sei auf eine Party eingeladen“.
     Sein Freund Lars bringt ihm ei­nes Tages auf seine Bitte Urin im Gurkenglas, um den Kokaintest schadlos zu bestehen. Dass er mit solchen Geschichten das „Thad­däus“ auf seiner Seite hat, erstaunt ebenso wie die Erzählung, als ihm sein Vater eine Überraschung an­gekündigt hatte. „Endlich, ein Hund“, sei er sich sicher gewesen, weil er kurz zuvor bei seinen Eltern unters Bett geschaut und eine Lei­ne und einen Maulkorb entdeckt habe. Die Überraschung sei aller­dings gewesen, dass er eine Schwester bekam.
     Ob er nicht bemerkt habe, dass seine Mutter einen Bauch habe. „Doch schon“, habe er gesagt, „aber ich dachte, das sei jetzt Part­nerlook bei Euch“. Miller ist kein Pointenklopfer, sondern ein langer, ruhiger Fluss. Er baut Szenarien auf, nutzt das Kopfkino der Zuhö­rer. Der Comedy-Storyteller. Seine Erzählungen porträtieren Nikitas Jugend, gefärbt von russischen Einflüssen. Dass sich jemand nicht von Pointe zu Pointe hangelt, ist in dieser Szene einmalig!



Es gibt nur einen Rudi Schöller

Mit Wiener Schmäh redet sich ein österreichischer Kabarettist im Thaddäus in Kaisheim in die Herzen seines Publikums. 
Die Zeit spielt dabei augenscheinlich keine Rolle mehr.

Donauwörther Zeitung Nr. 252 vom 02. November 2022            * Von Helmut Bissinger *

Der Wiener Kabarettist Rudi Schöller zeigte im Thaddäus in Kaisheim, warum er in Österreich so beliebt ist.               Foto: Helmut Bissinger

Kaisheim    Wenn er spricht, dann klingt das nach Urlaub. Das habe ihm einmal die Besucherin eines Kabarettabends in Norddeutschland gesagt. So bemüht sich Rudi Schöller bei seinem Gastspiel auf der Kleinkunstbühne des Thaddäus in Kaisheim, den Wiener Schmäh zu verdeutschen. Das gelingt dem Österreicher vorzüglich, wenn er sich dabei dann doch im Erzählton immer wieder verliert.
     Rudi Schöller kennt man in Österreich durchs Fernsehen. Der Kabarettist, einst als Rudi Schöllerbacher aufgewachsen, mimt im TV einen stummen Diener. Hier, auf der Kabarettbühne, ergreift er mit Bedacht das Wort – und redet und redet und redet. Mal schüchtern, mal forsch. Nichts ist zu spüren vom Kammerdiener Vormärz aus dem Kult-Talk „Wir sind Kaiser“ im österreichischen Fernsehen.
     Kein Thema, das Schöller in Kaisheim auslässt. Er gleitet manchmal ins Schlüpfrige ab, kann aber auch ernst, wenn es um politische Themen geht. Beim Fußball wird er derweil fast euphorisch. Als Kind habe er aus Deutschland den Song „Es gibt nur einen Rudi Völler“ gehört. Prompt baut er den Fan-Gesang aus den Fußballstadien in sein Programm ein und plötzlich singen alle im Auditorium „Es gibt nur einen Rudi Schöller“. Mit solchen Kalauern wärmt er sein Publikum auf, tritt auch gerne in den Dialog mit sich spontan äußernden Zuschauern.
     Immer wieder nimmt Schöller die Zuhörerinnen und Zuhörer mit zu seinen analog aufgewachsenen Eltern. Er berichtet von seiner Mutter, die ihrem Mann Viagra als Antibiotikum „verkauft“ habe. Der Erfolg sei so enorm gewesen, dass sie ihm schließlich abgeraten habe, die Tabletten weiter zu nehmen. Doch, von wegen, sein Vater habe ihr erklärt, dass man die Antibiotika in einer Packung „immer zu Ende nehmen muss“.
     Und dann ist da der wunderliche Umgang mit Computern, Google Maps und dem Smartphone. Seine Mutter habe eine Zeit lang jeden Tag bei Google Maps nachgeschaut, ob die Tomaten bei der Nachbarin besser wachsen als ihre. Er als Sohn habe es nicht übers Herz gebracht, ihr zu erklären, dass immer das gleiche Bild gezeigt werde. Schließlich sei die Mama so glücklich gewesen, dass Nachbarins Tomaten so schlecht gediehen.
     Die Oma mit ihrer Vorliebe für Zitronen-Waffelschnitten habe die moderne Welt noch viel schlechter verstanden. Ihre Lieblings-Moderatoren im Fernsehen habe sie deshalb immer zurück gegrüßt. Oder er nimmt das Publikum mit zu sich und seiner Freundin und Themen wie Kinder, Heiratsantrag und Urlaube. Da landet er bei Pinguinen. Was das Kaisheimer Publikum nicht weiß: Im österreichischen Fernsehen hat der Vormärz eine tragende Rolle. Er balanciert regelmäßig ein Tablett mit Pinguin-Schneekugeln durch die Sendung. Als Pinguin-Fan sei er eigens nach Neuseeland geflogen, um die Tiere in echt zu sehen.

     Dass er sich hoffnungslos in der Zeit verliert, stört in Kaisheim niemand. Es ist einfach amüsant, dem Rudi Schöller zuzuhören. Fast ist es so, wie wenn man mit dem Nachbarn bei einem Feierabend-Bier plaudert ...

     Ministrant sei er gewesen, berichtet der vielfach ausgezeichnete Kabarettist. Das wolle inzwischen niemand mehr sein. Deshalb schlage er vor, die Bezeichnung in „Prayer Boy“ zu ändern. Die Kirche wolle weltlicher werden, hat Schöller festgestellt. Sein Beitrag dazu: Mc Church, Ashes to go am Aschermittwoch, X-Mas statt des Wortes Weihnachten.


"Es werd' scho wieder"

Ansteckend optimistisch präsentieren die Wellküren im Thaddäus ihr musikalisches Musikkabarett. Es ist ein höchst vergnüglicher Abend.

Donauwörther Zeitung Nr. 241 vom 19. Oktober 2022              * Von Elke Böcker *
Optimistisch, vergnügt und sehr musikalisch: Die Wellküren verschafften ihrem Publikum im Thaddäus einen heiteren Abend.      Foto: Elke Böker

Kaisheim        Einen höchst vergnügli­chen Abend konnte man am Wo­chenende mit den Wellküren beim Thaddäus in Kaisheim verbringen. Die „schönsten Frauen Bayerns“ so von Jürgen Panitz angekündigt, gastierten mit ihrem launig-musi­kalischen Positiv-Programm „Es werd' scho wieder“ im ausverkauf­ten Wirtshaussaal, dem wunder­schönen Gewölbe der ehemaligen Klosterbrauerei.
    Mit zahlreichen Instrumenten - von Harfe über Tuba, Ukulele, Ziehharmonika und Hackbrett bis hin zur „Nonnentrompete“ und einem unwiderstehlichen Tempera­ment sorgten die drei Vollblutmusikerinnen für herzerfrischende Stimmung.
    Obwohl sie auch weniger komi­sche Themen kommentierten wie Putins Ukraine Krieg, die gesell­schaftliche Spaltung, die Energie­krise oder das unangenehme Älter­werden, blieb ihr ansteckender Op­timismus doch durchgängig erhal­ten. Gegen jedes Wehwehchen, aber auch bei nahezu allen Kata­strophen gibt es ein probates Re­zept: Stubnmusi - im Team. Die Wellküren, jede von ihnen mit 14 Geschwistern aufgewachsen, spra­chen aus Erfahrung, ja wähnten sogar:  Auch Putin wäre „aufg‘räumt“, wenn er Harfe spie­len würde - schade, dass er’s nicht tut. Doch trotz all ihrer musikali­schen Leidenschaft, müssen sich auch die tapferen Well-Schwestern mit ganz alltäglichen Problemen befassen. Da gibt es im Homeoffice hängen gebliebene Ehemänner - oben herum tipptopp gekleidet, untenherum verschlampt. Auch entstehen - nach ausgiebigem Online-Shopping - manchmal dra­matische Lieferautostaus vor der eigenen Haustür.
     Auch hier boten die drei leiden­schaftlichen Künstlerinnen er­probte Lösungsansätze. Homöo­pathie, Schwammerl suchen oder putzen mit dem „Well being“ Putz­tuch könnte helfen. Doch leider gibt es nicht nur private Probleme, auch die bayerische Politik läuft nicht reibungsfrei: Deshalb sangen die Wellküren begeistert ein „Lied für Markus“, der sich mit Franz-Joseph und Edmund auf dem Weg nach Walhall macht, um Bayern zu retten - vergeblich! Bayern liegt den Musikerinnen nämlich beson­ders am Herzen. Zum Schluss be­geisterten sie zu den Melodien von Ennio Morricones Musik zu „Spiel mir das Lied vom Tod“ mit einem „Bayernmusical“ - wie’s war, wie’s ist und wie’s werden könnt. #Gott schütze Bayern.


Furios und virtuos: Das Trio Tzigan war ein Erlebnis

Die weit gereiste Gipsy-Tango-Formation beglückt im Thaddäus-Biergarten ihr Publikum auf vielfältige Art.

Donauwörther Zeitung Nr. 170 vom 26. Juli 2022            * von Elke Böcker *
 

Das Konzert des Trios Tzigan im Thaddäus-Biergarten war eine ergreifende Mi­schung.     Foto: Elke Böcker

Kaisheim    Einen unvergesslichen Abend bescherte das weit gereiste Trio Tzigan den Gästen seines fu­riosen Konzerts im Biergarten der Kleinkunstbühne Thaddäus in Kaisheim. Das Gipsy-Tango-Trio aus Cordoba in Argentinien faszi­nierte mit einem höchst eigenstän­digen Mix aus Roma-, Gipsy- und Tangomusik.

Die drei Musiker - keiner von ihnen ein Roma, wie sie schmunzelnd anmerkten - zogen alle in den Bann. Mit ihrer Musik trafen sie mitten ins Leben, da wo Liebe, Schmerz und Sehnsucht Zusammenkommen. Gleichzeitig luden sie ein, sich auf den Weg zu machen ins Irgendwohin - ein Weg, der voller wundersamer Überraschungen war. Alejandro Montero (Gitarre, Gesang), David Macchione (Geige, Gesang) und Juan Sans (Akkordeon) erschlossen mit ihrem virtuosen Spiel und ihrem hingebungsvollen Gesang herrlich neue Räume. Es entstand ein dichtes Gewebe aus Rhythmus, Melodie und Klangfülle. Die laue Sommernacht erfüllte sich mit einem abwechslungsreichen Programm. Eigenkompositionen wie „Transi Be Riano“, Lieder von Astor Piazzolla wie „Libertango“ oder auch ein traditionelles Romalied „Gelem, Gelem“ ließen kaum Wünsche offen. Auch der „nonsens war“ in der Ukraine wurde thematisiert - mit der mahnenden Rückbesinnung auf den schrecklichen fünfjährigen Balkankrieg der 90er-Jahre: „Sarajevo“ entstand als Resultat auf authentische, berührende Erzählungen aus dem Freundeskreis. Elemente argentinischer Musik machten diese Komposition von Juan Sans hoffnungsvoller. Gekonnt und fast unheimlich stimmig vermischten die drei Musiker - die spanische, italienische und native amerikanische Wurzeln haben - traditionelle argentinische Tangos mit osteuropäischer Roma-Musik und eigenen musikalischen Vorstellungen. Melancholie und Sehnsucht trafen auf Temperament, Hoffnung und den Glauben an das Leben. Ergreifender kann Musik kaum sein! Die Fans der Kleinkunstbühne in Kaisheim haben jetzt noch einmal Gelegenheit, den Sommer musikalisch zu genießen. Am Donnerstag, 4. August gastieren dort Die BeaTels mit „Come Together“. Danach geht‘s in die Sommerpause.

 


Das Corazón-Quartett

Spanischer Wind weht durch Kaisheim

Das Corazón-Quartett versetzte sein Publikum im Thaddäus rhythmisch in Schwingungen. 
Spanische und lateinamerikanische Klänge gehören zum Repertoire der Musiker.  Foto: Cathrin Gros

Donauwörther Zeitung Nr. 160 vom 14. Juli 2022                    * von Cathrin Gros *

Vier Musiker des Corazón-Quartetts lassen im Gewölbe der einstigen Klosterbrauerei
 Flamenco-Rhythmen erklingen. Sie haben dem "Levante" ihre CD gewidmet. Worum es ihnen geht.

 KAISHEIM Der Levante ist ein warmer Wind, dem in Spanien übernatürliche Kräfte zugeschrieben werden. Jetzt wehte er - sozusagen - in Kaisheim. Denn die Musiker vom Corazón Quartett haben ihm eine CD gewidmet und die Stücke auf der Kleinkunstbühne im Gasthaus Thaddäus präsentiert.

     Gleich mit dem ersten Lied versetzt das Quartett das Publikum gedanklich „Richtung Süden“. Bei den Zuhörern wippen Füße, wiegen Schultern, trommeln Hände im Takt. Die Musik an diesem Abend ist eine Mischung aus eigenen Kompositionen und Interpretationen von Stücken berühmter Jazz- und Flamenco-Musiker. Mal ruhig, mal rhythmisch. Mal melancholisch, mal fröhlich. Allerhand spannende Instrumente kommen zum Einsatz, ebenso Tonaufnahmen. Zum Beispiel Meeresrauschen im Stück „La Gomera“ oder Stimmengewirr von der Plaza Larga in Granada in der gleichnamigen Komposition. Wenn man die Augen schließt, meint man, man wäre da: Auf der kanarischen Insel mit dem Berg über dem Meer oder Flamenco tanzend auf der Plaza in der spanischen Stadt.

     Corazón ist Spanisch und stet für Herz. Im Gewölbe der alten Klosterbrauerei in Kaisheim ist offensichtlich, dass die vier Musiker ihres an den Flamenco und südamerikanische Musik verloren haben. Die Hände von Charly Böck fliegen schneller über seine Trommeln, als das Auge erfassen kann, immer mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Die Mimik von Kontrabassist Peter Cudek erzählt die Geschichten der Lieder. Wolfgang Wallner versinkt in seinem Gitarrenspiel. Und Lori Lorenzen, der durch den Abend führt, schwärmt von den Orten, denen seine Kompositionen gewidmet sind, und den Musikern, deren Lieder das Quartett interpretiert. „Um richtig Flamenco spielen zu können, muss man allerdings mal in Spanien gelebt haben“, sagt er fast entschuldigend.

     Es war der dritte Anlauf des Quartetts, auf der Kaisheimer Kleinkunstbühne zu stehen. Erst musste das Konzert 2021 wegen der Pandemie abgesagt werden, dann im März 2022 verschoben werden, weil die Band aufgrund einer Covid-Infektion absagen musste. Auch wenn es jetzt geklappt hat - in Kaisheim spürt man nach wie vor die Auswirkungen von Covid-19. „Aktuell ist es schwierig, die 150 Plätze im Saal vollzukriegen“ berichtet Josef Hörmann, 1. Vorsitzender des Fördervereins Kleinkunstbühne im Thaddäus. „Viele Besucher müssen kurzfristig wegen Covid absagen, immer öfter werden Tickets an der Abendkasse nicht abgeholt.“ Sind die Einnahmen geringer als die Kosten für die oft hochkarätigen Künstler, kommt der Förderverein für die Kostendifferenz auf. In Zukunft werde man wohl auf ein System mit Vorabzahlung umstellen müssen, so Hörmann.

     Das Programm des ersten Halbjahres neigt sich dem Ende zu. Jürgen Panitz, Mehlprimel und Mitbetreiber des Gasthauses Thaddäus nutzte den Abend, um auf die noch ausstehenden Veranstaltungen hinzuweisen. Am Freitag den 22. Juli, macht mit dem Gipsy Tango Trio Tzigan aus Argentinien noch mal ein Stück Südamerika im Thaddäus Station. Am Samstag, 23. Juli, findet das traditionelle Hoffest statt.


Nachdenklich und entwaffnend

 Nachdenklich und feinsinnig - ein Maiabend im Thaddäus mit Rainer Panitz, seiner Tochter Flavia und dem Geigenensemble Radosov aus Mähren.    Foto: Elke Böcker

Musik   Ein wunderbarer Maiabend  mit Mehlprimel Rainer Panitz

Donauwörther Zeitung Nr. 112 vom 16. mai 2022                       * von Elke Böcker*

Kaisheim    Mehlprimel Rainer Panitz mit Tochter Flavia begleitete seine begeisterten Gäste im Thaddäus von Kaisheim ins pure Vergnügen. Mit mitreißender Musik unterstützte sie dabei das befreundete Geigenen­semble Radosov aus Mähren. Im Sudhaus der ehemaligen Kloster­brauerei präsentierten die beiden Panitzkünstler so Bekanntes wie „Zwieback im Biwak“ oder „Flie­gende Untertassen“. In gewohnter Weise gab es jedoch auch feinsinnige Anmerkungen zum Hier und Jetzt.

     Sei es das Alter und seine Begleit­erscheinungen, seien es die „harten Zeiten“, von denen „Genosse Ger­hard“ betroffen ist, oder die schwin­dende Zahl der Maikäfer. Reiner Pa­nitz wusste zu jedem Geschehnis, zu jeder Beobachtung den passenden Spruch, das treffende Gedicht oder den geeigneten Song - selbst kreiert oder treffend angepasst. Nachdenk­lich und voll des entwaffnenden Hu­mors. Tochter Flavia verlieh den kleinen Kunstwerken oftmals einen neuen Ton, sang und musizierte er­frischend jung. Deren beider Repertoire reichte dabei vom „Antikriegs­lied aus Südtirol“ über die „Jodel­meise“ bis hin zum Mondlied. Lieder mitten aus und jenseits jeglicher Zeit entrückten für einen Abend die Gäste der Welt und verliehen ihnen dabei gleichzeitig einen ganz besonderen Blick auf selbige.

     Dazwischen oder auch dazu spiel­ten die fünf Musiker aus Mähren gleichsam zum Tanz - gar manchen hat es in den Beinen gejuckt. Melan­cholisch oder fröhlich temperament­voll waren die Stücke aus Slowenien, Tschechien und Mähren - Musik aus einer fast schon vergangenen Zeit, die es unbedingt zu retten gilt. Sie spielten Musik für große Feste mit­ten im Ort, wo Menschen sich tref­fen, um miteinander zu sprechen, zu lachen, zu weinen und zu tanzen.

     Das Radosov’sche Geigenensem­ble braucht - wie die Mehlprimeln und ihre Gäste - unbedingt das Dorf­wirtshaus. Spätestens bei dieser Überlegung verstehen die Liebhaber der wunderbaren Kleinkunstbühne, warum Reiner Panitz von der ständig wachsenden Systemgastronomie be­richtet und dem damit einhergehen­den Sterben der Dorfwirtshäuser.


Lieder, mitten aus dem Leben

Musik   Mit „Liedern zum täglichen Gebrauch“ bezauberte das Duo Mon Mari et Moi
 die Konzertbesucher in der Kleinkunstbühne Thaddäus in Kaisheim.

Donauwörther Zeitung Nr. 94 vom 25. April 2022                                                    * von Andrea Hammerl*

Kaisheim   Das Künstlerpaar Shakti und Mathias Paque aus Kaiserslau­tern ist ohne Agentur deutschland­weit unterwegs, sympathisch und authentisch, durch und durch. Au­thentizität fängt beim Namen an, der nach Künstlernamen klingt, aber tatsächlich der bürgerliche ist, und prägt natürlich auch ihre Lie­der. Alle stammen aus eigener Fe­der, Lieder zum Nachdenken und Schmunzeln, mit hohem Wiederer­kennungswert und mitten aus dem Leben - eine augenzwinkernde, herzerwärmende Gebrauchsanwei­sung, eben dieses Leben von der hu­morvollen Seite zu nehmen, notfalls mithilfe der „Rosaroten Brille“.

     Dieses Lied ist einer Verwandten gewidmet, die viel Pech und wenig Grund zum Fröhlichsein hatte, den­noch aber unerschütterlich positiv eingestellt blieb. „Sie ist die einzige Frau, die ich kenne, die zweimal hintereinander mit Heiratsschwind­lern verheiratet war und trotzdem fand: Ich hatte doch eine gute Zeit, bevor ich wusste, dass er Heirats­schwindler ist“, sagt Shakti Paque, die zu jedem Lied eine kleine Ge­schichte erzählt, wie es entstanden oder vielmehr ihr und ihrem Ehe­mann Mathias zugeflogen ist. Er spielt Gitarre, „seit er weiß, dass es Gitarren gibt“, begleitet Shakti ein­fühlsam, untermalt, beansprucht aber auch genügend Raum für Zwi­schenspiele, um sein virtuoses Kön­nen an der zwölfsaitigen Westerngi­tarre oder den beiden unterschied­lich gestimmten Konzertgitarren zu zeigen. Gelegentlich singt er auch, meist nur kurze Kommentare zu ih­ren Texten, manchmal auch eigene Strophen. So bekommt jeder Song seine eigene Note, zusätzliche in­strumentale Akzente setzt er mit Kazoo oder Mundharmonika, sie mit ungewöhnlichen Perkussionsin­strumenten wie Wah-Wah Tube oder Shaker in Zigarettenschachtel­größe, mit Pianica und Autoharp so­wie ebenfalls Kazoo.

Von Kaiserslautern nach Kaisheim: Mon Mari Moi, bürgerlich Shakti und Mathias Paqué, gestalteten einen eindrucksvollen Abend im Thaddäus mit "Liedern zum täglichen Gebrauch".
Foto: Andrea Hammerl

     Sieben-Zonen-Tonnentaschenfederkern-Matratze, trösten sich über die Corona-Tristesse mit dem „Highlight der Woche“ aus dem Al­di-Prospekt oder wünschen sich von ihrem Gegenüber „Komm näher“, blicken vom Waschsalon staunend auf völlig unerwartete Reize der ei­gentlich hässlichen „Ecke Logen- Eisenbahnstraße im Herbst“ in Kai­serslautern und überwinden ihre Zi­garettensucht mithilfe mehrerer Portionen „Schokoladeneis“ täglich. Weil eine Bekannte mit ihrem You- tube-Kanal mit Kochrezepten er­folgreich ist und meinte, dafür funk­tionierten nur Rezepte oder Haus­tiere, Musik jedoch weniger, haben sich Mon Mari et Moi gedacht, dann ließe sich ihr Kanal sicherlich mit ei­nem gesungenen Rezept puschen. Voilà, also serviert Shakti mit ihrer klangschönen, leicht rauchigen Alt­stimme eine musikalische „Mulliga- tawny-Soup“, versehen mit händisch gewechselten Untertiteln, da­mit beim Nachkochen auch ja nichts schiefgeht.

     Ein Liebeslied, das fehlte noch im Programm. So richtig romantisch sollte es sein, verrät Shakti treuher­zig. Doch dann nimmt „Adorno und Marx“ eigenwillig eine ganz andere Richtung, wird zur trotzigen Ab­rechnung mit dem nur dem anderen zuliebe besuchten Yogakurs sowie den aus selbem Grund gelesenen Büchern und gipfelt in der sehn­süchtigen Forderung: „Könntest du so was nicht auch für mich tun?“. Den Tanzflächenrand-Sitzern ist das Lied „Könnt ich tanzen, würd ich tanzen“ gewidmet, „Erinner mich“ den Handy-Telefonierern im Zug, die das ganze Abteil an ihren Belanglosigkeiten teilhaben lassen, der „Hus-Song“ allen Städten, de­ren Schönheiten plattgemacht und von seelenlosen Blöcken ersetzt werden. Wer sich vorkommt, als säße er im falschen Film, dem raten Mon Mari et Moi zu einem alten Italo-Western „Mit Musik von Morricone“. Kurz, kein Lebensgefühl bleibt außen vor. Kein Wunder, dass sich Jürgen Panitz in die Musik verliebt und das Duo ins Thaddäus geholt hat. Auch das Publikum ist begeistert und erklatscht sich insge­samt vier Zugaben - zwei mehr als eigentlich vorgesehen, darunter zum Abschluss das zauberhafte Schlaflied „Una Canzone para Max“ für den schlafunwilligen Enkelsohn einer guten Freundin.


Musik hören und spüren

Konzert   Die Marion & Sobo Band entführt das Publikum im Thaddäus in fremde Welten.

Donauwörther Zeitung Nr. 84 vom 11. April 2022                                                    * von Tanja Sonntag *

Kaisheim       Wenn man von Gypsy Jazz und Chanson keine Ahnung hat, weiß man nicht, was einen erwartet, als der Geiger, die beiden Gitarris­ten und der Kontrabassist die Bühne betreten. Zweifelsohne wird man aber positiv überrascht. Denn Mari­on & Sobo Band entführen das Pu­blikum im Thaddäus in Kaisheim mit ihren harmonischen Klängen in fremde Welten. Diesen Eindruck erzeugt vor allem die angenehme Stimme der Sängerin Marion Lenfant-Preus, die in verschiedenen Sprachen singt. Besonders beein­druckend ist ihr Scat-Gesang, also ihre Improvisationen mit ihrer Stimme.
     Einige Texte sind auf Franzö­sisch, die Lieder geben einem das Gefühl, sich in Pariser Gassen zu be­finden, handeln von einem Tiger in Paris oder einem Pariser Viertel. Andere haben deutsche Texte, be­singen WG-Partys, eine verlorene Liebe oder Reisen. Wieder andere sind auf Romanes geschrieben und versetzen die Zuhörerinnen und Zu­hörer an Küsten, Wüsten oder Mit­telmeerstädte. Ein weiteres Lied hat einen englischen Text und soll zu mehr Akzeptanz unter Mitbürge­rinnen und Mitbürgern sowie zum Wählen aufrufen.
     Dabei sticht jedoch nicht nur die bezaubernde Singstimme heraus. Denn die Band aus Bonn besticht auch mit den akrobatischen Soli und dem Zusammenspiel von Geiger Frank Brempel, Gitarrist Alexander Sobocinski und Kontrabassist Stefan Berger. In einigen der fesselnden und verspielten Lieder wird kaum gesungen, stattdessen geben die Musiker Improvisationen zum Bes­ten, überraschen das Publikum durch scheinbare Stilbrüche und unerwartete Arrangements. Die meisten Lieder haben die Musiker selbst geschrieben, viele stammen aus ihrem aktuellen Album „Histoires“, das bei den Radiosendern WDR3 und SWR2 als „Album der Woche“ gewürdigt wurde.
     Dass die wenigsten Zuhörerinnen und Zuhörer alle Texte verstehen können, stört überhaupt nicht, denn die Melancholie oder Freude, die durch die Lieder transportiert wird, kommt auch ohne Textverständnis an. Die Musik können hier nicht nur die Musiker spüren. Das zeigt sich auch dadurch, dass das Publikum die Band am liebsten gar nicht gehen lassen würde und noch lange klatscht, nachdem diese die Bühne verlassen hat.

Publikum mag die Band nicht gehen lassenLässt das Publikum die Musik nicht nur hören,sondern auch spüren: die Marion & Sobo Band bei ihrem Auftritt im Kaisheimer Thaddäus.          Foto: Tanja Sonntag

     Aus der eigenen Feder der Mari­on & Sobo Band stammt zum Bei­spiel „Die Badewanne voller Bier“, die eine Hommage an WG-Partys darstellt. „Ich setz’ mich trotzdem in den Fluss, so kalt wie eine Bade­wanne voller Eis, wie man sie bei den WG Partys früher kannte“, singt Marion Lenfant-Preus.
     Der Stil der Band ist von Django Reinhardt inspiriert. Zwei ihrer Lieder basieren auf seinen Arrange­ments. Besonders beeindruckend ist dabei der „Norwegische Tanz“, der ursprünglich von Edvard Grieg ge­schrieben, von Django Reinhardt adaptiert und nun von Marion mit einem Text versehen wurde. In dem melancholischen Stück singt sie vom „Tanz in norwegischen Sommer­nächten“ und wird von einem fes­selnden Geigensolo unterbrochen.



Ein Hauch Strunzenöd in Kaisheim

Humor    Michael Altinger berichtet im Kaisheimer Thaddäus über die Lichtblicke in seinem Leben.
Man ahnt, warum er den Bayerischen Kabarettpreis bekam.

Donauwörther Zeitung Nr. 78 vom 04. April 2022                                                    * VON Daniel Weigl*

Kaisheim   Michael Altinger ist die Freude anzumerken, endlich wieder vor Livepublikum spielen zu dür­fen. Ein „Lichtblick“ in schwierigen Zeiten. Im gleichnamigen Pro­gramm, das er dem Kaisheimer Pu­blikum in der gut gefüllten Klein­kunstbrauerei Thaddäus präsen­tiert, geht es um alles - nämlich um Strunzenöd.

     Es ist Altingers Welt, die er ver­sucht, seit zwei Kabarettprogram­men zu retten. „Lichtblick“ ist der letzte Teil der Trilogie, und Altin­ger gibt alles. Er singt, tanzt, trägt Gedichte vor, glänzt mit „unnüt­zem Wissen, das man nicht nach­googeln kann, und tut das, wofür man ihn aus dem Fernsehen, bei­spielsweise in der Sendung „Schlachthof“, bestens kennt: Er schmeißt im hohen Tempo mit Pointen um sich, redet sich manch­mal in Rage, aber immer mit der nötigen Bodenhaftung. Der Nie­derbayer erzählt aus dem wahren Leben, stoisch begleitet von An­dreas Rother an der Gitarre.

     Altingers roter Faden ist Strunzenöd. Ein Ort, in dem sich die  Frauen noch „echte Kerle“ wün­schen. Die Definition: Männer, die sich innerorts mit ihrem VW Jericho an das Tempolimit 130 km/h halten. Männer, die sich sonntags auf dem Fußballplatz prügeln, Männer, die sich nur waschen, wenn die Frau da­rum bittet. Die Wahrheit: Die Strunzenöder Männer haben Angst. Angst vor ihren Frauen, also treffen sie sich heimlich in der Teestube des Sportheims, meditieren und machen Yogaübungen - Zutritt haben nur Männer, die das geheime Losungs­wort kennen: „Maya, erzähle uns von dir“.

Kabarettist Michael Altinger suchte im Kaisheimer Thaddäus nach den wenigen Licht­blicken im Leben.
Foto: Weigl

     Ohnehin ticken die Uhren in Strunzenöd ein wenig anders. So schafft es Bürgermeister Helmut Lux nicht nur, die nächsten Olym­pischen Spiele in seine Heimatge­meinde zu bringen, sondern er er­richtet auch eine Abschussrampe für den Flug ins All. Und wenn die Strunzenöder beginnen, unange­nehme Fragen zu stellen, richtet er schnurstracks ein Fest aus, und die Welt ist wieder in Ordnung. Zumin­dest in Strunzenöd. Im Rest der Welt gibt es laut Altinger nur weni­ge Lichtblicke. So ist es mit zuneh­mendem Alter nicht nur mühsam, ei­nen Arzt zu finden, der jünger ist als man selbst, auch der simple Hotel­aufenthalt wird durch gläserne Bad­türen immer komplizierter: „Mei­nen die Architekten wirklich, es gibt nur schöne Menschen auf diesem Planeten?“ Während manche Frau­en den Anblick ihres durchtrainier­ten Mannes auf der „Schüssel“ laut Altinger bestimmt genießen, denkt sich seine Frau gewiss: „Hoffentlich bieselt der nur!“

     Michael Altinger, der bereits mit dem Bayerischen Kabarettpreis aus­gezeichnet wurde, wird nicht müde zu betonen, wie sehr er die Liveauf­tritte nach der Pandemie genießt. „Kultur unterscheidet uns von den Viechern“, erklärt er und nimmt dafür sogar eine Anreise durch Asbach-Bäumenheim (schönster Ort, wo man hätte durchfahren können) in Kauf. Ohnehin sind er und das Kaisheimer Publikum „die Guten, und draußen sind nur lauter Dep­pen“. Diese Erkenntnis ist ja zumin­dest auch ein kleiner Lichtblick in schwierigen Zeiten.



Von Briefträgern und künstlicher Intelligenz

Kabarettist Günther Paal war im Thaddäus zu Gast

Donauwörther Zeitung Nr. 72 vom 28. März 2022                   * VON Tanja Sonntag*


Kaisheim „Man sollte ab und zu einen Briefträger verprügeln.“ Diese gewagte These stellt Gunkl in den Raum. Ihm selbst ist ebenfalls klar, dass es sich dabei um „keinen guten Satz“ handelt, um einen Auftritt zu beginnen, und doch wird sich das Thema „Nachrichten“ mehr oder weniger durch sein Programm ziehen, das er Freitagabend im Thaddäus in Kaisheim zum Besten gibt. Mit bürgerlichem Namen heißt der Kabarettist Günther Paal und ist Österreicher.
      Allein und ohne jeden Schnickschnack steht er auf der Bühne, erzählt und gestikuliert. Scheinbar folgt er einem roten Faden, dennoch lässt sich schwer beschreiben, was genau das Kernthema seines Programmes ist. Die selbst gegebene Bezeichnung als „Gedankenakrobat“ bringt es am ehesten auf den Punkt - Gunkl scheint seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Die Darbietung ist genauso kompliziert wie faszinierend. Nicht umsonst nennt er sein Programm „eine abendfüllende Ausschweifung“. Ist man in einem Moment kurz abgelenkt, weiß man schon nicht mehr, wie und wieso er bei seinem derzeitigen Thema gelandet ist.

Kabarettist Gunkl im Kaisheimer Thaddäus: „Die vielen Ichs machen das Zusammenleben so kompliziert, aber auch erst möglich.“
 Foto: Tanja Sonntag

Kabarettist zeigt sich besorgt über künstliche Intelligenz


Er erzählt davon, dass früher Boten an die von ihnen überbrachten Nachricht gekoppelt wurden, was bei hierarchischem Gefälle durchaus zum Tod führen konnte. Ohne, dass es in diesem Augenblick irritieren würde, sinniert er plötzlich über das Überleben des größeren Pavian-Männchens, auch wenn das offensichtlich mit Boten nichts mehr zu tun hat. „Brust­korbklopfen und dicke Autos fahren ist arterhaltend“, behauptet er und legt im nächsten Moment dar, dass das nur bedingt stimmt.
Gunkl erwähnt Kinder, die ihr Ich in ihrer „Nein-Phase“ entdecken und stellt fest: „Die vielen Ichs machen das Zusammenleben so kompliziert und doch erst möglich. “ Denn jeder erlebt, wie er von anderen Ichs erlebt wird. „Wer eine Trennung durchlebt hat, merkt, dass sich nicht nur der Tagesablauf ändert“, behauptet er. Dabei redet der Kabarettist manchmal so schnell, dass Scherze erst im Raum angekommen sind, wenn er sich schon in der Mitte des nächsten Satzes befindet.
Besorgt äußert er sich gegenüber künstlicher Intelligenz. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass in der Maschine ein Ich entsteht“, überlegt Gunkl, „und es schwindelt sich auch schnell ein „Die“ in den Ich- Baukasten.“ Das „Die“ seien dann eben wir Menschen.
     Sowieso sei es schlauer, Probleme zu vermeiden, statt auf Intelligenz zu setzen, was ja bedeute, dass man die Fähigkeit habe, Probleme zu lösen.